COV 92609

Violoncellosonaten der Romantik – Heinrich Stiehl & Carl Schuberth

Diese Einspielung widmet sich zwei heute nahezu vergessenen Stimmen der romantischen Musikgeschichte: Heinrich Stiehl (1829–1886) und Carl Schuberth (1811–1863). Beide waren in ihrer Zeit hochangesehene Musiker – der eine als Organist, Pädagoge und Komponist zwischen Leipzig, St. Petersburg und dem Baltikum, der andere als international gefeierter Violoncellovirtuose. Ihre Werke stehen exemplarisch für eine musikalische „zweite Reihe“, die das Musikleben des 19. Jahrhunderts prägte, dessen Qualität sich jedoch erst heute wieder neu erschließen lässt.

Im Zentrum steht Heinrich Stiehls Sonate für Pianoforte und Violoncello a-Moll op. 37, die 1860 mit dem Preis der Deutschen Tonhalle in Mannheim ausgezeichnet wurde. Die Sonate verbindet romantische Expressivität mit gelehrter Satzkunst und überrascht besonders in den Mittelsätzen durch poetische Ambivalenz. Der dritte Satz, überschrieben mit Eduard Mörikes Gedicht „Lass, o Welt, o lass mich sein“, entfaltet eine intime, liedhafte Klangsprache, während das Finale mit einem Fugato Stiehls kontrapunktische Meisterschaft erkennen lässt.

Carl Schuberth ist mit zwei Werken vertreten, die seine melodische Erfindungskraft und seinen virtuosen Zugriff auf das Violoncello eindrucksvoll zeigen. Das Grand Nocturne élégiaque op. 6 für zwei Violoncelli und Klavier entfaltet einen gesanglichen, beinahe vokalen Dialog, der das Cello in all seinen lyrischen Facetten auslotet. Die Grande Sonate für Violoncello und Klavier D-Dur op. 43, ein spätes Werk, verbindet orchestrale Klangfülle mit balladeskem Gestus und stellt höchste Anforderungen an beide Instrumentalisten.

Interpretiert wird diese Musik von Martin Seemann (Violoncello), Bettina Messerschmidt (Violoncello, im Nocturne) und Mira Lange am historischen Hammerflügel von Streicher & Söhne (Wien 1864). Die historisch informierte Aufführungspraxis verleiht den Werken eine transparente, farbenreiche Klanglichkeit und macht ihren romantischen Ausdruck in seiner ganzen Vielschichtigkeit erfahrbar.

Diese Aufnahme versteht sich als Einladung zur Wiederentdeckung: nicht von verkannten Genies, sondern von Musik, die das ästhetische Fundament ihrer Epoche mitprägte – lebendig, anspruchsvoll und voller erzählerischer Kraft.

Cello Sonatas of the Romantic Period

Heinrich Stiehl (1829 – 1883)
Preis-Sonate für Pianoforte und Violoncello a-Moll, op. 37
Prize-Sonata for Pianoforte and Violoncello A minor, op. 37

1. I

Allegro appassionato

12:10

2. II

Scherzo – Allegro vivace

6:49

3. III

„Lass o Welt, o lass mich sein“ – Andante sostenuto
‚Let oh world, oh let me be!‘ – Andante sostenuto

5:51

4. IV

Finale – Allegro molto

6:34

Carl Schuberth (1811 – 1863)

5.

L‘Adieu. Grand Nocturne élégiaque für zwei Violoncelli und Klavier, op. 6
L‘Adieu. Grand Nocturne élégiaque for two cellos and piano, op. 6

7:22

Carl Schuberth
Grande Sonate für Pianoforte und Violoncello D-Dur, op. 43
Grande Sonata for Pianoforte and Violoncello in D major, op. 43

6. I

Allegro moderato

9:36

7. II

Intermezzo – Andante e Scherzo

6:35

8. III

Finale – Allegro vivace

8:31

Gesamtspielzeit:

1:03:32

Cookie Consent mit Real Cookie Banner